Augustiner-Chorherrenstift Waldhausen

r.k. Pfarramt
Schloßberg 2
4391 Waldhausen

GruenderIn/StifterIn: 
Otto von Machland
Geschichte: 

1147 stiftete Otto von Machland, der Gründer der Zisterze Baumgartenberg, ein Kloster der Augustiner Chorherren in Säbnich. Nach seinem Tod gerieten seine beiden Stiftungen in Auseinandersetzung über seine nachgelassenen Besitzungen. Unter Propst Selker (1151-1162) zogen die Chorherren den Sarmingbach nordwärts und gründeten auf einem Hügel ein neues Kloster. Um 1190 existierte hier auch ein Frauenkonvent. Ein gebürtiger Waldhausener und Konventuale des Klosters war der frühhumanistische Prediger und Theologe Konrad von Waldhausen (gestorben 1369 in Prag).
Die spätmittelalterliche Krisenzeit, besonders die Hussitenkriege, sowie die Reformationszeit führten im Chorherrenstift zu Notlagen. Eine Konsolidierung um 1600 brachte nicht nur wirtschaftliche Stabilität, sondern auch die Erneuerung der seit der Gründung bestehenden renommierten Klosterschule. Propst Laurenz Voss (1647-1680) begann den barocken Neubau nach Plänen von Christoph Colomba und Carlo Canevale. Eine Verschuldung des Stiftes führte ab 1786 zur Administration durch das Stift St. Florian, 1792 wurde das Kloster Waldhausen unter Kaiser Joseph II. aufgehoben.
Die Stiftskirche wird heute von der Pfarre genützt. Weite Teile der Klosteranalage wurden Anfang des 19. Jahrhunderts geschleift und für Bau und Ausstattung der Franzensburg in Laxenburg verwendet. Herrschaftsbesitz des Stiftes wurde nach der Aufhebung als Dotation des Domkapitels des neu gegründeten Bistums Linz verwendet. Im Zuge der Oberösterreichischen Landesausstellung 2002 erfolgten Restaurierungsarbeiten.

Literatur: 
  • Ilse Schütz, Waldhausen, in: Floridus Röhrig (Hg.), Die ehemaligen Stifte der Augustiner-Chorherren in Österreich und Südtirol (Klosterneuburg 2005), S.643-660.
  • Hubert Franz X. Müller, Gründungs- und Wirtschaftsgeschichte des Augustiner-Chorherrenstiftes Waldhausen O.Ö. bis zum Ausgang des 16. Jahrhunderts (Diss., Innsbruck 1959).
  • Pritz, Franz X., Geschichte des aufgelassenen Stiftes der regulierten Chorherren des hl. Augustinus zu Waldhausen, in: Archiv für die Kunde österreichischer Geschichtsquellen 9 (1853), S. 305ff.

 

Anmerkungen zum Archiv: 

Es ist bekannt, dass ein Großteil der Archivalien als Makulatur an privat verkauft und in einer Papiermühle verarbeitet wurde. Einen Teil der Urkunden hatte des Linzer Domkapitel als Verwalter der ehemaligen Stiftsherrschaft dem Museum Francisco-Carolinum übergeben, von wo sie später an das Oberösterreichische Landesarchiv übertragen wurden. Dort befinden sich auch die übrigen Reste des ehemaligen Waldhausener Stiftsarchivs, insbesondere Wirtschaft und Verwaltung betreffend, insgesamt 183 Schachteln, 99 Handschriften, 19 Faszikel, 592 Urkunden.

Anmerkungen zur Bibliothek: 

Die ehemalige Stiftsbibliothek von Waldhausen wurde nach der Aufhebung des Klosters zerstreut, ein Teil kam in die Bibliothek des Linzer Priesterhauses (heute Bibliothek der Katholisch-Theologischen Privatuniversität Linz), Handschriften und Wiegendrucke aus Waldhausen sind in der Oberösterreichischen Landesbibliothek erhalten, vieles ist verloren.

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