Benediktinerkloster Millstatt

Stiftsgasse 1
A-9872 Millstatt

GruenderIn/StifterIn: 
Pfalzgraf Aribo II. von Bayern und sein Bruder Poto
Geschichte: 

Die aus dem bayerischen Adelsgeschlecht der Aribonen stammenden Brüder Aribo und Poto gründeten um 1077 ein Benediktinerkloster an ihrer Kirche in Millstatt unter dem Titel St. Salvator. Das neue Kloster erhielt von seinen Stiftern einen geschlossenen Landstrich zwischen dem Millstätter See, dem Gute Kraut (später Landgericht Sommereck), der Millstätter Alpe und dem Gebiete von Kleinkirchheim sowie den Hof Eberstein in Unterkärnten. Graf Boto, der Bruder Aribos, schenkte dem Kloster Güter im Pinzgau und den Hof Schwarzenbach im Pongau. Außerdem erhielt es mehrere Häuser zu Hallein und zwei Dörfer in Friaul, San Foca bei Pordenone und Maniago. 1122 stellte Aribos Sohn, Pfalzgraf Engelbert, als Klostervogt Millstatt unter den Schutz des römischen Stuhles, und am 27. März dieses Jahres erging die Schutzbulle Papst Calixtus‘ II. Die älteste erhaltene päpstliche Güterbestätigung durch Alexander III. (1177) nennt außer den Stiftungsgütern die Höfe Puch bei Gmünd und Mühldorf an der Moll, den Zehent in der Pfarre Lieserhofen, die Dörfer Lengenholz, St. Urban und Radenthein, sowie die Güter am Fratresberg bei Spittal und am Weißensee. Zahlreiche Schenkungen, Stiftungen, Kauf- und Tauschhandlungen vermehrten den Besitz des Klosters ansehnlich und verschafften ihm Güter und Rechte der verschiedensten Art zu Millstatt, Obermillstatt, Radenthein, Groß- und Kleinkirchheim, Sagritz, Kremsbrücke, Seeboden, Techendorf, Villach, in der Grafschaft Ortenburg, im Jauntal, Kanaltal, Gailtal, Mölltal, im Pinzgau, im Lungau, in Osttirol und in Friaul. Der reiche Klosterbesitz hinderte es jedoch nicht, daß Millstatt nach mehreren Jahrhunderten der Blüte in den ersten Jahrzehnten des 15. Jahrhunderts in argen Verfall geriet. 1435 übertrug das Baseler Konzil dem Abt Johann von Kleinmariazell die Visitation des Klosters und die Abstellung der Missbräuche. Aber diese Maßnahme blieb so wirkungslos wie eine zweite Visitation, die 1447 durch Kommissäre des Erzbischofs von Salzburg vorgenommen wurde. Eine dritte Visitation, die Abt Peter von St. Peter in Salzburg unter Mitwirkung des Grafen Ulrich von Cilli als Vogtherrn 1455 unternahm, führte dazu, daß der Millstätter Abt Christoph seine Würde niederlegte. Wohl trat er nach einigen Jahren der Administration durch einen Konventualen von St. Peter wieder an die Spitze des Stiftes, aber er konnte es nicht verhindern, daß Friedrich III. als Vogtherr mit Zustimmung des Papstes an die Aufhebung des Stiftes ging, um dessen Güter seiner neuen Gründung zuzuwenden, dem Orden der St. Georgsritter, der in Millstatt seinen Hauptsitz errichtete und bis 1598 bestand. Dann wurden seine Besitzungen dem Jesuitenkolleg in Graz übereignet. In Millstatt entstand eine Residenz der Gesellschaft Jesu, die den wirtschaftlichen Rückhalt für den Unterhalt des Grazer Kollegs darstellte. Fortsetzung siehe http://kulturgueter.kath-orden.at/jesuitenresidenz-millstatt

Literatur: 

Wilhelm Deuer, Millstatt, in: Germania Benedictina, 3/2: Die benediktinischen Mönchs- und Nonnenklöster in Österreich und Südtirol, hg. von Ulrich Faust–Waltraud Krassnig (St. Ottilien 2001) 759-822.
Erika Weinzierl-Fischer, Geschichte des Benediktinerklosters Millstatt in Kärnten (Archiv für vaterländische Geschichte und Topographie 33, Klagenfurt 1951).
Beda Schroll, Geschichte des Benedictinerstiftes Milstat in Kärnten, in: Archiv für vaterländische Geschichte und Topographie 17 (1894) 3–58.

 

 

Anmerkungen zum Archiv: 

Reste des Stiftsarchivs befinden sich im Haus-, Hof- und Staatsarchiv, Urkunden online auf www.monasterium.net

Literatur zur Bibliothek: 

Maria Mairold, Die Millstätter Bibliothek, in Carinthia I. Zeitschrift für geschichtliche Landeskunde von Kärnten 170. (1980)  87–106.

Anmerkungen zur Bibliothek: 

Mittelalterliche Handschriften des Benediktinerstiftes Millstatt befinden sich im Kärntner Landesarchiv, in der Universitätsbibliothek Klagenfurt, in der Universitätsbibliothek Graz, in der Österreichischen Nationalbibliothek, im Haus-, Hof- und Staatsarchiv, in der Nationalbibliothek Budapest und in weiterem Streubesitz. Inkunabeln und Frühdrucke befinden sich in der Universitätsbibliothek Graz.

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