Admonter Handschriften online

Christine Glassner, Leiterin der Abteilung für Schrift- und Buchwesen am Institut für Mittelalterforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, hat gute Neuigkeiten: „Auf der Website www.manuscripta.at, dem Österreichischen Handschriftenportal, ist nun ein revidiertes Kurzverzeichnis der Admonter Handschriften online. Die Daten stammen überwiegend aus dem Katalog von Jacob Wichner (Admont 1888), ab und an wurden auch Ergebnisse aus der bei den Handschrifteneinträgen genannten Forschungsliteratur eingearbeitet. Das Verzeichnis soll in dieser Form nicht mehr als ein online recherchierbarer ‚Wegweiser‘ zum Admonter Handschriftenbestand sein. Auf drei Dinge möchten wir besonders hinweisen:
1) Es wurde versucht, die heutigen Bibliotheksorte und Signaturen der zahlreichen, in der Zwischenkriegszeit verkauften Admonter Handschriften festzustellen. Dies ist mit Hilfe der Forschungsliteratur und eigenen Recherchen gut, aber nicht lückenlos gelungen.
2) Mehr als 30 in dieser Zeit verkaufte Handschriften befinden sich heute in der Nationalbibliothek der Tschechischen Republik in Prag. Alle sind bereits vor längerer Zeit digitalisiert worden und über www.manuscriptorium.com zugänglich. Von den ehemaligen Admonter Signaturen führt jeweils ein Link zum Digitalisat.
3) Das seit dreieinhalb Jahrzehnten als verschollen geltende Fragment des ‚Alexander‘ des Ulrich von Etzenbach konnte nach einem Hinweis von Klaus Klein (Marburg) im Oktober 2015 von Karin Schamberger (Stiftsbibliothek Admont) wiedergefunden werden (Fragm. B 38a). Nun liegt auch ein Online-Digitalisat vor, ebenso wie von zwei weiteren deutschsprachigen Handschriften (Cod. 19: Ottokar von Steiermark, Steirische Reimchronik und Cod. 504: Marco Polo, Reisen).
Für Addenda und Corrigenda per Email steht bei jedem Handschrifteneintrag ein Link zur Verfügung.“

Das Team der Stiftsbibliothek Admont, P. Maximilian Schiefermüller und Dr. Karin Schamberger, freuen sich, dass die Handschriften des Klosters den Forscherinnen und Forschern über das Internet besser zugänglich gemacht werden: „Wir arbeiten fleißig daran, bald viele Volldigitalisate bieten zu können!“ Admont digitalisiert seine Handschriften selbst. Dafür wurde für die Bibliothek ein Booktraveller angekauft, mit dem die einzelnen Seiten abfotografiert werden, das ergibt eine sehr gute Bildqualität. Zum Digitalisieren gehört aber nicht nur das Fotografieren. Mühevoll ist besonders auch die Nachbearbeitung: Kontrolle der Vollständigkeit und Qualität, Reihung und Beschriftung der Digitalisate, Abspeicherung und Sicherung der Aufnahmen und Erstellen von komprimierten Arbeits- und Webkopien. Zur Ansicht der Digitalisate bietet manuscripta.at einen professionellen sogenannten Viewer an. Mit dieser Anwendung können die Handschriften sehr gut studiert werden. Außerdem verlinkt das Handschriftenportal die Bilder mit der Beschreibung der Handschrift, mit Einträgen in Katalogen und mit der bereits erschienen Fachliteratur.

Die Handschriftensammlung des Stiftes Admont ist eine der größten und kostbarsten Österreichs, unter den Klosterbibliotheken nimmt sie Weltrang ein. Die Stiftsbibliothek verwahrt 1.400 Handschriften, von denen mehr als die Hälfte aus dem Mittelalter stammen. Die Anzahl der Inkunabeln, der bis zum Jahre 1500 gedruckten Bücher, beläuft sich auf 530 Stück.

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