Archiv, Tradition und der "österreichische Stifteorden"

Beim diesjährigen Steierischen Archivtag am 24. Mai 2018 sprach Abt Benedikt Plank (Benediktinerabtei St. Lambrecht) über „Archiv und Tradition als Quellen monastischer Identität“.
„Archive wurden in den Klöstern nicht angelegt, um die Neugierde späterer Historiker zu befriedigen“, sagte Abt Benedikt, Stiftsarchivar von St. Lambrecht, Historiker und Absolvent des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung, „sondern zur Sicherung von Rechtstiteln“. Die Klosterarchive sind zu einem großen Teil Wirtschaftsarchive und überliefern Unterlagen aus der Temporalienverwaltung.
Aber es gibt in den Stiften auch eine aktive Beschäftigung mit der Vergangenheit als Selbstvergewisserung. In der Abtei St. Lambrecht wurde schon im 16. Jahrhundert die erste Klosterchonik verfasst und erschien in Druck. Die Chroniken waren Unterlagen zur Unterweisung der Novizen in der Hausgeschichte und zur Einführung in die Tradition des Hauses, eine Aufgabe, die bis heute der Stiftsarchivar wahrnimmt.
Stifte haben in Österreich eine jahrhundertelange ununterbrochene Tradition, führte Abt Benedikt aus. Aber Orden waren eigentlich immer Reformbewegungen, die auf die Nöte der Zeit hören und reagieren. Hatten sie Erfolg, so verblieben diese neuen Blüten am Stamm der Kirche. Im Laufe der Zeit kommt es in den Orden und Klöstern zur Anpassung an des Gegebene und Bewährte. Bei den Benediktinern hat sich auch eine Zusammengehörigkeit des Ordens entwickelt, statt  der bloßen Bindung an ein einzelnes Kloster - etwas, was für die Benediktiner ursprünglich nicht typisch war. Die Rezeption der Tätigkeit der Bettelorden führte auch bei in den Klöstern der Benediktinern zu sozialen Aktivitäten, auch dies eine neuere Entwicklung. Tradition bedeutet also nicht, dass alles immer gleichförmig überliefert und gehalten wird, vielmehr ist diese Tradition „elastisch“ und wird an neue Entwicklungen angepasst. Man bleibt der eigenen Identität im Wandel treu.
Für Österreich konstatiert Abt Benedikt einen „österreichischen Stifleorden“: Es gibt in Österreichs Stiften über die verschiedenen Orden (Benediktiner, Chorherren, Zisterzienser) hinweg oft mehr gemeinsames als mit Klöstern des gleichen Ordens in anderen Ländern. Das hat historische Ursachen und zu tun mit der Stellung der Klostervorsteher in den Landständen und ihrer Tätigkeit in der Pfarrseelsorge, nicht unbedingt etwas traditionell Benediktinisches.
Archive sind ein Fundus für vieles, aber für die Klöster sind die Unterlagen zu den Mönchen der eigentliche Traditionsschatz. Schon in der Benediktregel steht, dass der Professchein der Mönche aufzubewahren ist.
Zum Abschluss erinnerte sich Abt Benedikt an seine eigenen Anfänge als Mönch in St. Lambrecht. Er war 1968 eingetreten, und damals hätten Menschen geraten, dass die Benediktiner sich doch ein neues, modernes Kloster bauen sollten, der alte mächtige Barockbau schien nicht mehr zeitgemäß. Heute jedoch loben die BesucherInnen des Hauses seine Schönheit und wie angenehm der Aufenthalt in dem historischen Gebäude ist. „Tradition bedeutet ständiger Wandel, damit Identität gleich bleibt“, schloss Abt Benedikt.

Helga Penz

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