Bernhard Demel OT (1934-2017)

Bernhard Demel OT (1934-2017)

Am 7. Januar 2017 verstarb der ehemalige Archivar des Deutschen Ordens in Österreich P. Bernhard Demel OT im 83. Lebensjahr. Als renommierter Historiker und Leiter des international bedeutsamen Zentralarchivs seines Ordens war P. Bernhard weit über die Ordensgrenzen hinaus bekannt und geschätzt.
Udo Arnold (Bonn) schreibt im Nachruf zu P. Bernard Demel, der 1954 in den Deutschen Orden eingetreten war: „1968 erfolgte die für P. Bernhard entscheidende Wende. Nachdem er Ende 1965 in Innsbruck zum Dr. der Theologie promoviert worden war, berief ihn der Orden nach Wien. Er begann sofort das Studium am Institut für Österreichische Geschichtsforschung der Universität Wien, um das nötige Rüstzeug als Archivar zu erhalten. Mit dem 1. Januar 1969 hat er die Leitung des Deutschordenszentralarchivs Wien von mir übernommen und sie fast 40 Jahre bis Ende 2007 ausgeübt – er  war in dieser Zeit die Personifikation des Archivs.
Ein besonderes Verdienst im Archiv verbindet sich mit den Akten der Ballei Österreich. Sie lagen, vor allem für das 17. und 18. Jahrhundert, zwar im Ordenshaus, jedoch unter schlechten klimatischen Bedingungen und völlig ungeordnet. Diesen umfangreichen Bestand hat er ins Archiv geholt, gesichtet und grundlegend geordnet.
Sein größtes Verdienst liegt jedoch eindeutig in der Forschung. P. Bernhard hat seine Position als Leiter des zentralen Ordensarchivs als Chance gesehen und genutzt, durch eigene Forschungen die Ordensgeschichte und damit auch das Archiv bekannter zu machen. Ausgehend von seiner Dissertation sind sie überwiegend in der neuzeitlichen Ordensgeschichte angesiedelt, doch war  ihm auch das Mittelalter nicht fremd. Neben dem eigenen nutzte er vor allem das Haus-, Hof- und Staatsarchiv Wien (z.B. mit dem Mainzer Erzkanzlerarchiv) und hat es wie kein anderer vor ihm systematisch auf Deutschordensbezüge durchforstet. Auch das Staatsarchiv Ludwigsburg hat er oft besucht, liegt doch dort der Großteil der regionalen Mergentheimer Akten, allerdings aufgrund der unvollständigen Abgaben nach Wien im 19./20. Jahrhundert auch viele zentrale Überlieferungen. Mit seinen Forschungen hat er entscheidende Erkenntnisse vermittelt, so etwa im Bereich der Reichs- und Kreisstandschaft des Ordens in der Zeit zwischen Reformation und Säkularisation oder hinsichtlich der Bi- und später Trikonfessionalität des Ordens für dieselbe Zeit. Mit Recht darf er für sich in Anspruch nehmen, von der Ordensgeschichte ausgehend damit Akzente gesetzt zu haben, ohne deren Kenntnis die Geschichte des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation vom 16. bis 18. Jahrhundert nur unvollständig beschrieben wird. […] P. Bernhard gehörte zu den Gründungsmitgliedern der 1985 hier in Wien begründeten „Internationalen Historischen Kommission zur Erforschung des Deutschen Ordens“, der er fünf Amtsperioden als Schriftführer gedient hat. Unter diesem Dach hat er wesentlich zum heutigen Ansehen des Ordens im ehemaligen Ostblock beigetragen, u.a. mit seiner regelmäßigen Beteiligung an der Konferenzserie „Ordines militares“ der Universität Toruń/Polen oder der „Historischen Kommission für ost- und westpreußische Landesforschung“. Ein weiteres Wissenschaftsfeld war seine Teilnahme an den Konferenzen der „Society for the study of the crusades“, von denen er ebenfalls gerne berichtete.
In vier Sammelbänden hat P. Bernhard - teils als Nachdruck verstreut veröffentlichter Arbeiten, teils als Erstdruck seine Forschungen vorgelegt (Der Deutsche Orden einst und jetzt, 1999; Der Deutsche Orden im Spiegel seiner Besitzungen und Beziehungen in Europa, 2004; Unbekannte Aspekte der Geschichte des Deutschen Ordens, 2006; 1190-2010. 820 Jahre Deutscher Orden, 2011) und vorher wie anschließend weitere Aufsätze veröffentlicht. Mit Recht hat der Hochmeister des Deutschen Ordens dies als reichhaltige Ernte gewürdigt. In Anerkennung seiner wissenschaftlichen Verdienste hat ihm das Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung Wien 2005 den Professorentitel verliehen.
Er war nicht nur Wissenschaftler, sondern vor allem auch Priester. Als Rektor der Kirche im Wiener Deutschordenshaus hat er viele Menschen auf ihrem Lebensweg begleitet, mit einer inneren Heiterkeit. Das Echo auf seinen Tod  darf man zusammenfassen in der Aussage eines Mitglieds der Internationalen Historischen Kommission zur Erforschung des Deutschen Ordens: Er wird uns allen fehlen.“

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