Gedenkveranstaltung im Wiener Mechitharistenkloster

Gedenkveranstaltung im Wiener Mechitharistenkloster

Am 26. April 2015, am Vorabend des Gedenktages ihres Ordensgründers Mechtar von Sebaste, gestalteten die Mechitharisten in ihrem Kloster in Wien ein Gedenken an den armenischen Genozid vor 100 Jahren. Da der Orden seit seiner Gründung im 18. Jahrhundert mit der Seelsorge in der Armenisch-Apostolischen Kirche beauftragt ist, besteht eine besondere Verbundenheit. Im Rahmen der Gedenkveranstaltung wurde das restaurierte und neugestaltete Museum eröffnet.
Abt Paul Kodjanian erinnerte in seiner Eröffnungsrede eindringlich an die Gräuel des Völkermords an die Armenier und zeigte sich skeptisch hinsichtlich einer Versöhnung mit der Türkei „Wie können wir einem Staat vertrauen, der nach 100 Jahren den Genozid noch immer nicht anerkennt?“, fragte er. Justizminister Wolfgang Brandstetter äußerte die Verbundenheit Österreichs mit dem Schicksal der Armenier und verwies auf das gemeinsame Bemühen der europäischen Staaten, Rechtssicherheit für jeden Bürger, insbesondere auch für Angehörige einer Minderheit, zu garantieren. Der Botschafter Armeniens in Österreich Arman Kirakossian verwies auf „the risks of not learning the lessons of history“: Wer nicht erinnert, versperrt den Weg in die Zukunft.
Zum Gedenken an die Opfer des Völkermords wurde im Garten des Klosters ein Gedenkstein in Form eines Khatschkars, eines typisch armenischen Kreuzsteins, eine Steinmetzarbeit aus armenischem Basalt, gesetzt. Weiters wurde eine Marienkapelle geweiht: Das Salettl, das seit der Errichtung der Klosteranlage durch Joseph Kornhäusel in den 1830er Jahren bestand, war in eine Kapelle zu Ehren Maria Schutz ausgestaltet worden. Die Segnung des Steins und die Weihe der Kapelle vollzog gemeinsam mit Abt Paul der Vorsteher der Armenisch-Apostolischen Kirchengemeinde Österreichs Archimandrit Tiran Petrosyan. Anschließend wurden 20 neu gepflanzte Zypressen im Klostergarten nach den Städten Armeniens, in denen die größten Opferzahlen zu beklagen sind, benannt.
Im Anschluss wurde das Klostermuseum eröffnet. Im Teil zur armenischen Volkskunst werden Trachten, Töpferarbeiten und Teppiche gezeigt. Im Museum sind aber noch andere Sammlungen zu besichtigen, darunter auch eine kleine ägyptische Abteilung, ein numismatisches Kabinett sowie eine umfangreiche Mineralien- und Conchyliensammlung. Reizvoll sind insbesondere die Vitrinen des 19. Jahrhunderts, die sehr schön restauriert und wiederhergestellt wurden. Das Mechitharistenkloster bewahrt so auch ein sehenswertes Stück Museumsgeschichte.

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