Musikarchiv Stift Heiligenkreuz

Im klösterlichen Alltag spielt Musik eine beträchtliche Rolle. Es vergeht kein Tag, an dem wir hier im Kloster nicht mit Musik in Berührung kommen. Besonderes Augenmerk legen und legten die stiftlichen Musiker auf die musikalische Gestaltung der täglich gefeierten heiligen Messe. Gregorianischer Choral wechselt mit Volksgesang und mehrstimmigen Orchestermessen.
Es findet sich im Musikarchiv eine breite Palette an geistlicher und weltlicher Musik. Hauptbestand des Archivmaterials ist handschriftliches und gedrucktes Notenmaterial ab dem beginnenden 18. bis ins 20. Jahrhundert. Besonders hervorzuheben sind Notationen von Komponisten, die durch ihre Zugehörigkeit zum Sängerknabeninstitut des Stiftes Heiligenkreuz (aktiv bis 1983) eine persönliche oder berufliche Bindung an das Stift hatten. Besonders hervorzuheben sind Georg Reutter d.J. (1708-1772), Johann Georg Albrechtsberger (1736-1809), P. Clemens Scheupflug OCist (1731-1805), Johann Ritter von Herbeck (1831-1877), Ambros Rieder (1771-1855) u.a.
Die wissenschaftliche Arbeit im Heiligenkreuzer Musikarchiv beschäftigt sich derzeit hauptsächlich mit der Sichtung und Herausgabe der im Jahr 2013 aufgefundenen Werke aus dem Nachlass von Ferdinand Rebay (1880-1953). Dr. Maria Gelew bereitet sie zur Aufführung und zur Herausgabe vor. Im Bergmann-Verlag wurden schon etwa 150 Werke (hauptsächlich mit Gitarre) veröffentlicht. Nach einer Masterarbeit über Ferdinand Rebay entsteht nun in der Folge eine Dissertation von Fr. Mag. Christiane Hörmann.
In der zweiten Phase des Niederösterreichischen FTI-Projektes „Kloster_Musik_Sammlungen“ durch die Donau-Uni-Krems wird unser Notenbestand dem Forschungsvorgang hinzugefügt. Neben der Erschließung und Digitalisierung der Bestände in einer webbasierten Datenbank soll auch eine historisch-kritische Pilotedition veröffentlicht werden, die es ermöglichen wird, ausgewählte Musikstücke einer breiten Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen und zur Aufführung zu bringen.

Im Zuge der vielfältigen Aktivitäten im Musikarchiv war die Notwendigkeit gegeben, das Archivmaterial an einem Ort zusammen zu führen. Nun befindet sich das gesamte Musikarchiv in dem dafür adaptierten Raum. Dadurch ist das vorhandene Material übersichtlicher untergebracht und einfacher zugängig. Ergänzt werden die papiernen musikalischen Zeugnisse durch Ton-Wiedergabe-Geräte. Die Präsentation der historischen Geräte reicht vom Grammophon über Radioapparate bis zum CD-Player. Im April 2019 wurde das neu adaptierte Musikarchiv von Heiligenkreuz von Prälat Abt Dr. Maximilian Heim OCist feierlich gesegnet.


Für Forscher ist nun ein moderner Arbeitsplatz (mit Internetanschluss) geschaffen worden. Damit die Musik des Archives zum Klingen gebracht wird, bringen wir seit einigen Jahren Musikwerke von Komponisten, die ihre musikalische Laufbahn als Sängerknaben im Stift Heiligenkreuz begonnen haben, zur Aufführung. Auf diese Weise heben wir auch unbekanntere Musiker hervor, deren Musik es wert ist, gespielt und gehört zu werden.

[P. Roman Nägele OCist]

Farbbalken