Näharbeiten am Pergament gesucht

Codex Graz, Univ.-Bibl., Ms 769, fol. 62r.

Näharbeiten am Pergament mittelalterlicher Handschriften sind wahrscheinlich so alt wie die Herstellung dieses tierischen Beschreibmaterials selbst. Im Zuge des Produktionsprozesses wurden Löcher und Risse in der Tierhaut, die am Spannrahmen oder schon davor entstanden, durch zum Teil grobes Vernähen der schadhaften Stellen geschlossen. Die kunstvolle Ausführung dieser Näharbeiten und Stickereien mit farbigen Seidenfäden scheint sich jedoch erst im Hochmittelalter weiter verbreitet zu haben.
Bibliothekskataloge erwähnen das Phänomen, wenn überhaupt, nur am Rande und lassen keine sicheren Aussagen über das Vorkommen zu. Die Abteilung für Sondersammlungen der Universitätsbibliothek Graz (UBG) besitzt Handschriften aus dem Chorherren- und Chorfrauenstift Seckau, die von diesem Phänomen betroffen sind und die einen Zusammenhang mit den geistlichen Reformströmungen des Hochmittelalters vermuten lassen.
Die Universität Graz plant diesem Phänomen in Zusammenarbeit mit der Österreichischen Akademie der Wissenschaft in den kommenden Jahren vermehrte Aufmerksamkeit zu widmen und für das Thema, das möglicherweise als Mosaikstein in der Frage der Provenienzforschung mittelalterlicher Bibliotheksbestände in Frage kommt, zu sensibilisieren.

Für Hinweise auf Sammlungen, in denen sich solche Näharbeiten befinden, wären wir sehr verbunden.
Kontakt: Dr. Thomas Csanády (thomas.csanady@uni-graz.at)

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