Neues zur Professurkunde

Professurkunde

Der Stiftsarchivar von Heiligenkreuz und Historiker P. Alkuin Schachenmayr hat in der renommierten Fachzeitschrift „Archiv für Diplomatik“ (Nr. 62, 2016) einen wunderbaren Beitrag über die Professurkunde veröffentlichkeit. Holger Berwinkel rezensiert P. Alkuins Aufsatz so:

„Der Verfasser, P. Alkuin Schachenmayr OCist (Heiligenkreuz) behandelt im Detail die äußeren und inneren Merkmale der Professurkunde, die bislang nur in Ansätzen erforscht waren, und gibt instruktive Abbildungen bei. Darüber hinaus nimmt er den aktenmäßigen Niederschlag des Vorgangs der Profess in den Blick — alles lege artis nach der klassischen Aktenlehre in der Folge Meisners, aber ausgewogen dem eigenen Charakter des monastischen Schriftguts angepasst. Die „subjektiv-emotionale[n]“ Gesuche des Aspiranten um Einkleidung sowie des Novizen um Ablegung der Profess sind anders zu lesen als verwaltungmäßiges Schriftgut des Konvents, z. B. die Protokolle der Examinierung der Novizen.

Ich finde diesen Aufsatz aus mehreren Gründen wichtig:
    Er ist ein sehr substantieller Beitrag zur besonderen Aktenkunde der Kirchen und hier speziell zum Schriftgut der katholischen Kirche, das wohl stärker einen eigenen Charakter zeigt als die Akten der evangelischen Landeskirchen, die sich an der Staatsverwaltung ausrichteten.
    Er bietet ein schönes Beispiel für Beständigkeit und Wandel in der longue durée einer sehr stabilen Anwendung von Schriftlichkeit: Der Beitrag umspannt fünf Jahrhunderte einer aus der Welt herausgehobenen Sphäre (ein Merkmal, das böse Zungen ja auch Behördenregistraturen zuschreiben).
    Er ist eine Fallstudie zur begrenzten Übertragbarkeit der fast ausschließlich am Staat orientierten Paradigmen der klassischen Lehre auf Institutionen oder Zusammenschlüsse, die weniger stark oder nach anderen Prinzipien strukturiert sind. Bisher liegen Forschungen dazu eigentlich nur für die Wirtschaft vor (zuletzt Schludi 2016). Dieses Problem wurde auch auf #IOeG2016 u. a. von Elizabeth Kata an einem diametral entgegengesetzten Untersuchungsgegenstand angeschnitten. Darin zeichnet sich ein zentrales Thema einer künftigen Aktenkunde ab.

Abgesehen von all dem ist der Aufsatz auch inhaltlich sehr interessant und sogar bewegend, liest man das Ersuchen eines Novizen der Abtei St. Peter in Salzburg kurz nach dem Anschluss Österreichs an NS-Deutschland.“

Quelle: https://aktenkunde.hypotheses.org

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