Steuern für die Abtwahl - und wie man sie vermied

Der Archivar und Sammlungskustos des Stiftes Zwettl, Andreas Gamerith, stößt bei der Inventarisierung des kulturellen Erbes in seinem Haus immer wieder auf Besonderheiten. Jüngst entdeckte er ein Schriftstück, das eine „Anleitung zum Fälschen des Inventars für die Abtwahl 1776“ enthält.
Bei jeder Abtwahl wurde vom Landesfürsten eine Wahltaxe eingehoben, deren Höhe sich nach dem Vermögen des Klosters richtete. Grundlage für die Bemessung war die Klosterinventur nach Ableben eines Abtes, die von einer landesfürstlichen Kommission durchgeführt wurde. Die Taxen konnten recht beträchtlich sein und schnitten empfindlich in ein Klosterbudget. Im Stift Zwettl hat man sich daher darüber Gedanken gemacht, wie man das Klosterinventar am besten so klein halten konnte, dass die Steuern nicht allzu hoch ausfallen würden.
Andreas Gamerith beschreibt in der Sommerausgabe der Stiftszeitschrift  „Z-Informationen“ (3/2018) anschaulich, auf welche Einfälle der Konvent gekommen war:
„Die kaiserlichen Kommissäre, die die Inventur durchuzführen hatten, wurden in falsche Weinkeller geführt, man zeigte manipulierte Kellerbücher, beim Waisenmeister [Verwalter des Vermögens verwaister Grundholden] tauschte man Krankheit vor, um eine Einsicht in die mangelhaft geführte Buchhaltung zu verhindern. Den acht Jahre zuvor angeschafften, prachtvollen Porzellanaufsatz versteckte man, um den Vorwurf eines „übermäßigen Luxus“ zu vermeiden.“
Ein weiterer und besonders für Kunstfreunde interessanter Fund Gameriths ist ein Abtporträt aus der Hand von Kremser Schmidt, dessen 300. Geburtstag heuer gefeiert wird. Das bislang unbekannte Porträt zeigt den letzten Barockabt von Zwettl Rayner II. Sigl und entstand um 1780. Das Porträt ist anlässlich des Kremser Schmidt-Jubiläums 2018 in der Stiftsbibliothek ausgestellt.

Helga Penz

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